Granada

Alhambra

Plan Alhambra

{axarquia} {picture}

Plan der Alhambra zu herunterladen finden Sie hier: plan_alhambra_englisch.pdf

Link zur Interaktive Karte der Alhambra

Alhambra Bilder

Granada Alhambra

Die Alhambra ist von zahlreichen Schriftstellern beschrieben worden (Rolf Buschmann CSN)
Wer annimmt, im maurischen Palast in der Alhambra in Granada befänden sich nur Koranzitate, der irrt. Der in Nerja lebende Österreicher Walter J. Zupan hat in seinem Buch „Goldene Worte von den Mauern der Alhambra" eine Vielzahl unterschiedlicher Inhalte übersetzen lassen. Andere Nachforscher fanden noch mehr. Im Saal der zwei Schwestern, in dem ich mich gerade umschaue, lobpreist beispielsweise ein Dichter die Schönheit des Raumes mit den Worten: „Ihn grüßt des Himmels Zwillingspaar mit freudigem Erstaunen, ihm naht der Mond, ein Liebeswort ihm in das Ohr zu raunen. Die Sterne steigen gern aus ihren lichten Zonen, anstatt im Himmel wünschten sie in diesem Saal zu wohnen."
Aus dem Saal blicke ich hinaus auf den Löwenhof. Ein Schmuckstück maurischer Architektur, 124 Säulen umrahmen und schmücken einen Patio, in der Mitte - wie könnte es anders sein bei den Mauren? - ein Brunnen, der Löwenbrunnen. Im Brunnenrand schmeichelt einer der Poeten dem Kalifen: „Dieses Wasser fließt so reichlich, um die Löwen zu tränken. Schrecklich wie der Löwe ist unser König am Tage der Schlacht." Am Brunnen sollen sich noch andere Texte befinden, las ich, wie dieser hier: „Wer mich sieht, muss mich für eine Braut halten, die jeder zu besitzen wünscht." Etwas doppeldeutig, frage ich mich. Hoffentlich ist damals offen geblieben, ob der Dichter die Alhambra oder gar eine der Damen des königlichen Harems im Visier seiner Worte hatte.Eindeutiger drückt sich da ein anderer Poet aus. Hatte er allzu oft zu den vergitterten Fensterchen des Harems hinauf geblickt, die sich im ersten Stock über den Galerien befinden?: „Siehst du nicht, wie das Wasser über die Ränder läuft und sich dennoch in der Erde verbirgt? So hat auch ein Liebender die Wimper voller Tränen und verheimlicht sie aus Furcht, man möge sie sehen."

Alhambra ist ohne Wasser undenkbar
Die Furcht war begründet. Als Boabdil ein Techtelmechtel zwischen der Königin und einem Adeligen aus der Stadt entdeckt, macht er kurzen Prozess. Die ganze Familie des Nebenbuhlers wird zu einer „Audienz" eingeladen und im Saal, der heute „Sala de los Abencerrajes" heißt, geköpft. 36 Köpfe, einer nach dem anderen. Den Fremdenführern bereitete es, wie ich sehe, Vergnügen, die schaudernden Zuhörer auf die nach 500 Jahren immer noch sichtbaren Blutflecke hinzuweisen. Alles Bluff. Für Kommissar Columbo ein Fünf-Minuten-Fall: Die Tatortspuren auf den Marmorplatten sind mineralischen Ursprungs. Die Mordtat aber hat es gegeben, wenn in einigen Reiseführern auch nur von 17 Geköpften die Rede ist. Merke: Mache keinen Araber eifersüchtig. Ohne Wasser ist die Alhambra undenkbar, wie Fernsehen ohne Ton. Die Mauren kamen aus regenarmen Gebieten. Für sie war Wasser nicht nur Lebensmittel, es hatte Symbolgehalt, war flüssiges Leben. Und so wird die vielsprachige Truppe der Touristen ständig und in nahezu allen Räumen der Alhambra begleitet vom Murmeln und Plätschern des Wassers in marmornen Kanälen und Brunnen. „Irdenen Venen gleich verteilen die in den Mauern verborgenen Wasserrohre unablässig ihr rauschendes klares Blut, die Arterien ergießen sich in die Bäche. In der scheinbaren Ruhe ist alles in Bewegung. Überall stimmt das Wasser seinen Gesang an, der den kristallklaren Ton des Sichtbaren unterstreicht." So schreibt Antonio Gala und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Raffinesse der Architekten, die das Spiegelbild der Wasserflächen in die Wirkung ihrer Bauten einkalkulieren. „Von unten betrachtet pulsieren die Wände, aus ihren Nischen strömt ein flackernder Glanz, und wenn sie sich zudem noch im Zittern der Wasserbecken oder im heiteren Kräuseln der Teiche widerspiegeln, glaubt man eher zu träumen als zu wachen. Im Wasser betrachtet sieht man die großen, mannigfaltigen Bögen, wie man sie sehen sollte: von oben nach unten, nicht umgekehrt. Vielleicht liegt hier das Geheimnis dieser körperähnlichen, in Wasser getauchten Stadt, wie die Liebe von Anbeginn an zum Vergehen bestimmt." So weit Gala, der hier übrigens Boabdil zu uns sprechen lässt. Ich habe mich durch den Säulenwald des Löwenhofes geschlängelt und kehre durch eine schmale Tür in den Myrtenhof zurück.

In jedem Fotoalbum dabei
Eine in Wasser getauchte Stadt. Das gespiegelte Bild des Comares-Palastes darf in keinem Spanien-Reiseführer fehlen, es soll auch in meinem Fotoalbum einen bevorzugten Platz finden. Natürlich haben andere Kamerabesitzer den idealen Aufnahmestandort in der Mitte der Bassinumrandung auch entdeckt. Ein tolles Motiv! Das also war einmal der zentrale Punkt der letzten 240 Jahre Maurenherrschaft in Spanien, Zentrum der Repräsentation, das Zentrum der Diplomatie, der Verwaltung, der Rechtsprechung. Im Comaressaal senken die Museumsführer ihre Stimme. Wir sind an einem Ort, an dem spanische, wenn nicht gar Weltgeschichte geschrieben wurde.
Am Freitag, dem 2. Januar 1492, 10.00 Uhr, holt der Kardinal Pedro Gonzales des Mendoza auf der Plattform des Torre de la Vela die Fahne mit dem Halbmond ein und hisst die christliche Fahne. Das Ereignis verkündete weithin sichtbar das Ende islamischer Herrschaft in Spanien, das Ende nach 781 Jahren. Auch das Ende des Islam in Europa? frage ich mich. Und: Was wäre geworden, wenn...? Ein „Schurkenstaat" nach amerikanischer Lesart?

Neue Antwort auf alte Fragen
Bei meinem Rundgang in der Alhambra hatte ich auch die historische Plattform des Torre de la Vela erklommen - und ich fand dort eine Antwort. Hoch über der von hier oben prächtig anzuschauenden Stadt Granada flattern vier Fahnen im Wind: die Fahnen von Granada, von Andalusien, von Spanien und die der Europäischen Union. Was sollen meine Hirngespinste? Im Jahre 2002 sind neue, ganz andere Weichen gestellt!
Zurückblickend betrachtet hat das Schicksal Granadas Symbolgehalt, ich spreche vom Werden und Vergehen von Staaten. An dem bereits genannten Freitag übergibt der Maurenkönig, bei seiner Geburt von den Astrologen As Soghi, „der Unglückliche", genannt, die Schlüssel Granadas an die Katholischen Könige. Die letzte Trutzburg des europäischen Halbmonds ist gefallen. Der Kardinal zelebriert die erste katholische Messe in der maurischen Alhambra. An einen der hölzernen Zeugen dieser Zeit lehne ich mich gerade an, um einen sicheren Stand zum Fotografieren zu haben. Die Tür hinter mir führte in Boabdils Tagen zu weiteren Gemächern des Palastes, jetzt ist sie Attrappe. Hinter dem Portikus reckt sich der mächtige Palast von Carlos V., ein monumentaler Renaissancebau im klassizistischen Stil, in unseren Tagen Museum. Ein Teil der Alhambra wurde wegen dieses Zeichens des Sieges abgerissen, ebenso wie die „Große königliche Moschee", auf deren Fundamenten 1617 die Kirche Santa María de la Alhambra errichtet wurde. Mit dem Palastbau verschwanden die Wohnstätten von rund 20.000 Bewohnern und Bediensteten der Alhambra. Leider kann man nicht alle Gebäudeabschnitte der Alhambra besichtigen, wozu unterirdische Gänge, die Bäder, das Innere der Türme oder die große Zahl der Räume zählen, die sich im 1. Stockwerk befinden. Das ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Generationen von Fachleuten restaurieren das Königsschloss, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. Genauer gesagt: Jahrhunderte war Granadas Erbe der Weltkultur dem Verfall, den Unbilden der Natur und dem Unverstand Regierender ausgesetzt. Erdbeben rüttelten an seinen Mauern, die Explosionen eines Pulverdepots zerschmetterten 1590 alle Buntglasscheiben, 1890 wütete ein Brand. Die Alhambra war Schauplatz von Vandalismus, Lieferant kostenloser Baumaterialien, sie diente als Kaserne, Pulverkammer, Pferdestall, Bettlerunterschlupf und Armenhaus. Im Jahre 1812 konnte ihre Sprengung durch die französische Besatzung gerade noch verhindert werden.

Es ist inzwischen 14 Uhr geworden. Überraschung und Enttäuschung: Die Tür zur Königskapelle ist verschlossen. Mittagspause von 13.30 bis 15.30 Uhr. „Die brauchen mein Geld nicht!", meckere ich in mich hinein. Auch andere Touristen müssen wieder abziehen. Glücklicherweise kann ich von den Erinnerungen mehrfacher Besuche in den letzten Jahren zehren.
Man betritt die Real Capilla de Granada, wie die Königskapelle offiziell heißt, durch die ehemalige Börse, nicht ohne ein billete personal erworben zu haben. Die Monitore auf dem Schreibtisch des Einlassdienstes unterstreichen die Bedeutung des folgenden Schrittes über die Schwelle des Nationalheiligtums Spaniens. Im Dämmerlicht reich verzierte späte Gotik, der Raum strahlt feierliche Spannung aus und führt jedermann hin zur Andacht.

Auserlesene Gemäldeschau
Wie die anderen Besucher der Königskapelle verweile ich andächtig vor dem Hochaltar und - wen wunderts? - mein Interesse konzentriert sich auf die geschnitzten Figurengruppen im unteren Teil. Sie versinnbildlichen die Übernahme Granadas und die Taufe der Mauren. In der Sakristei nebenan befinde ich mich in einer Schatzkammer. In einer Vitrine das florentinische Schwert, das König Ferdinand während der Belagerung Granadas mit sich führte, Krone und Zepter der Königin Isabella. Dann Standarten, Fahnen, königliche Banner, Zeichen des Sieges, Monstranzen, Messbücher, Messgewänder, Requisiten der Sieger.
In der auserlesenen Gemäldeschau aus dem Nachlass der spanischen Königin zieht es mich immer wieder zu den „Heiligen Frauen" des flämischen Malers Hans Memling. Das Bild suggeriert Traurigkeit. Fotografieren verboten. Die Überwachungskamera hat von der Decke her die Besucherschar jederzeit im Griff.
Ich kehre um, um noch einmal das kunstvolle Gitter zu studieren, das den Altar und das Mausoleum abtrennt. Es entstand 1520 auf dem Amboss des Meisters Bartolomé und stellt ein eigenständiges, sehenswertes Kunstwerk dar. Einige Stufen führen mich unter die Marmorpracht, in die Krypta. Ich bin sicher unten angelangt. In dem winzigen, grauen Raum liegen die oben aufwendig Gewürdigten, umgeben von schmucklosem Blei.